Kommunalwahlen Bonn 2025
Interview mit Ann-Sophie Bissing, CDU
​
Was genau ist Ihre persönliche Motivation für das Amt?
Ich bin in meinem Wahlkreis aufgewachsen und habe mein ganzes Leben hier
verbracht. Jetzt möchte ich etwas zurückgeben und mich für die Menschen einsetzen,
die hier leben. Mir ist es wichtig, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und gemeinsam
daran zu arbeiten, Auerberg und Graurheindorf noch lebenswerter und zukunftsfähiger
zu gestalten. Unsere Stadtteil ist geprägt von vielen Generationen, die hier miteinander
leben und für dieses Miteinander möchte ich mich stark machen.
Wie sehen Ihre strategischen Ziele für die kommende Amtszeit aus, falls Sie gewählt werden? Welche Themenschwerpunkte haben Sie für Graurheindorf?
Sollte ich bei der Kommunalwahl das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler erhalten
und in den Stadtrat gewählt werden, habe ich einige klare Projekte und Schwerpunkte,
die mir besonders am Herzen liegen. Ein zentrales Anliegen ist der Hochwasserschutz.
Dieses Thema wurde in der Vergangenheit zu oft aufgeschoben, dabei ist es für viele
Bürgerinnen und Bürger Graurheindorfs von größter Bedeutung. Die Katastrophe im
Ahrtal hat uns vor Augen geführt, wie schnell ganze Orte durch solche
Naturereignisse zerstört werden können. Der Hochwasserschutz darf nicht länger auf
die lange Bank geschoben werden!
Ebenso wichtig ist mir das soziale Miteinander in unseren Stadtteilen. Dazu gehört die
Unterstützung unserer traditionsreichen Vereine, die seit vielen Jahren das
gesellschaftliche Leben prägen. Aber auch Familien und Kinder verdienen unsere
besondere Aufmerksamkeit. Jugendliche brauchen gute Freizeit- und
Bildungsangebote, Familien benötigen bezahlbaren, sicheren und stabilen Wohnraum.
Ein weiterer Schwerpunkt für mich ist der Individualverkehr und öffentliche
Nahverkehr in unseren Stadtteilen. Die Verbindung zwischen Auerberg und
Graurheindorf ist aktuell durch verschiedene Maßnahmen stark beeinträchtigt. Viele
Anwohnerinnen und Anwohner Graurheindorfs haben ihren Arzt in Auerberg oder
erledigen dort regelmäßig ihre Einkäufe. Dies wird ihnen nun durch die schlechtere
Anbindung erschwert. Deshalb braucht es endlich eine verlässliche, gut
funktionierende Anbindung, die den Bedürfnissen aller Bürgerinnen und Bürger
gerecht wird.
Thema gefährliche Verkehrssituationen.
a) Estermannstraße
Die Verkehrssituation in Graurheindorf ist seit vielen Jahren ein sensibles
Thema. Besonders die engen Straßen rund um die Altbauten stellen uns vor
große Herausforderungen. Viele Häuser verfügen nicht über genügend eigene
Stellplätzen auf ihren Grundstücken, weshalb zahlreiche Anwohnerinnen und
Anwohner darauf angewiesen sind, ihr Auto auf der Straße zu parken. Das
führt natürlich zu einer angespannten Lage, die nicht nur den Alltag erschwert,
sondern im Ernstfall auch zu einem Problem für Rettungskräfte werden kann.
Für mich ist klar, die Situation darf nicht zu einem Gegeneinander führen,
sondern muss durch ein faires Miteinander entschärft werden. Denkbar wäre
ein Bürgerdialog, bei dem Anwohner, Stadtverwaltung und Verkehrsexperten
gemeinsame Lösungen erarbeiten. Wir brauchen für die Straße pragmatische
und kreative Lösungen, die alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen.
​
b) Leinpfad
Als Anwohnerin ist mir die Situation am Leinpfad bestens bekannt. Der Weg
ist stellenweise sehr schmal und wird von vielen verschiedenen
Verkehrsteilnehmern genutzt. Um den Fuß- und Radverkehr im südlichen Teil
des Leinpfades zu trennen und die Sicherheit zu erhöhen, könnte man den
unteren, inzwischen stark zugewachsenen Pfad wieder freilegen und als
Fahrradstrecke ausbauen. Dadurch würden Fußgänger und Radfahrer besser
voneinander getrennt und die Situation am Leinpfad deutlich entschärft. Das
wäre ein Gewinn für die Sicherheit aller und würde zugleich für ein
entspannteres Miteinander auf diesem beliebten Weg sorgen. Im nördlichen
Bereich, nach der Margaretenkirche, muss geprüft werden, inwiefern eine
Verbreiterung des Leinpfades möglich gemacht werden kann.
c) Feuerwehr-Gerätehaus
Die Situation rund um das Feuerwehrhaus könnte bald entschärft werden, da
das alte Gerätehaus nach einem Ratsbeschluss (siehe Beschluss vom
26.01.2012, Hauptausschuss) abgerissen. Dadurch würde die Straße deutlich
besser einsehbar und damit Risiko von Unfällen sinken. Bis es jedoch so weit
ist, sollte kurzfristig gehandelt werden: Ein Verkehrsspiegel könnte hier
schnell und unkompliziert für mehr Übersicht sorgen und den
Verkehrsteilnehmern eine sichere Einsicht in die Straße ermöglichen.
d) Fahrradstraße An der Rheindorfer Burg
Der Bereich an der Rheindorferburg ist auf Grund der starken Begrünung am
Straßenrand teilweise sehr schlecht einsehbar. Dadurch entstehen häufig
gefährliche Situationen, die besonders die Sicherheit unserer Kinder gefährden.
Hierbei würde bereits eine Rückschnitt der Bäume, Hecken und Bepflanzung
helfen.
Thema nächtliche Treffen am Engländerweg / Fährpavillon
Hier gibt es eine starke Zunahme an Zusammenkünften bis hin zu mutmaßlichen Autorennen, die zu nächtlichen Ruhestörungen führen. Haben Sie Kenntnisse zu der Situation? Welche Lösungen haben Sie?
​
Die Situation am Engländerweg und rund um die Fähre ist mir bestens bekannt. Auch
ich empfinde sie als äußerst störend. Besonders die Geschwindigkeitsrennen stellen
eine Gefahr für die Sicherheit aller dar und belasten die Anwohnerinnen und
Anwohner durch enormen Lärm. Aus meiner Sicht hilft nur eine konsequente
Polizeipräsenz. Regelmäßige Kontrollen, gerne auch durch Zivilstreifen, könnten
dafür sorgen, dass die Strecke ihren Reiz für Raser verliert und wieder sicher genutzt
werden kann. Zudem muss geprüft werden, ob verkehrsberuhigende Maßnahmen auf
dem Streckenbereich zwischen der Pfaffenmütze und der Kläranlage geschaffen
werden können. Der Bonner Norden darf bei solchen Problemen nicht länger
vergessen werden. Klare Regeln müssen durchgesetzt werden, damit der
Engländerweg und das Fährumfeld wieder zu einem sicheren und lebenswerten
Bereich für alle werden.
Thema Hochwasserschutz / Rheinaue Nord
​Hier gibt es jahrelange Planung, ohne bislang sichtbares Ergebnis. Wie ist hier der aktuelle Stand und wie sehen Ihre konkreten Ideen aus?
Der Hochwasserschutz ist für Graurheindorf ein zentrales Thema und steht schon seit
vielen Jahrzehnten auf der Agenda. Trotzdem hat sich bis heute wenig getan. Oft
erscheint der Eindruck, dass unser Ort im Hinblick auf den Hochwasserschutz nicht
priorisiert wird. Die bereits beschlossene Umverlegung (Beschluss des
Hauptauschusses vom 19.04.2012) des Baches muss wieder stärker in den
Vordergrund gerückt werden. Hier will ich klarer und stärker nachhaken, denn
Hochwasserschutz bedeutet Sicherheit für unsere Familien und Zukunft für unseren
Stadtteil.
Thema Nahversorgung / Einkaufsmöglichkeiten. Bekanntermaßen gibt es in Graurheindorf keinen Einzelhandel wie Bäckerei, Lebensmittelgeschäft, etc. und kaum Gastronomie. Haben Sie hierzu Lösungsvorschläge?
​
In Graurheindorf fehlt es leider an grundlegenden Einkaufsmöglichkeiten für den
täglichen Bedarf. Das Hauptproblem liegt darin, dass geeignete Flächen für solche
Angebote fehlen. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang der Wirtschaftshof
des Amtes für Umwelt- und Stadtgrün im südlichen Teil der Estermannstraße ins
Gespräch gebracht. Doch dieser kann nur dann weichen, wenn eine passende
Ausweichfläche gefunden wurde und die Stadt diesem zustimmt. Langfristig brauchen
wir Lösungen, um die Nahversorgung in Graurheindorf zu verbessern.
In Graurheindorf gibt es im Gegensatz zu Auerberg keine Angebote für Jugendliche. Sehen Sie diesbezüglich Verbesserungsbedarf und falls ja, haben Sie konkrete Ideen hierzu?
In Graurheindorf gibt es leider nur sehr wenige Angebote für Kinder und Jugendliche.
Vieles stützt sich derzeit auf das große Engagement der KJG, den Vereinen und der
freiwilligen Feuerwehr. Diese leisten wertvolle Jugendarbeit, für deren Einsatz bin ich
sehr dankbar. Seitens der Stadt erfahren wir in diesem Bereich leider nur wenig
Unterstützung. Ein Blick nach Auerberg zeigt, wie es besser laufen kann: Dort gibt es
ein Quartiersmanagement, das Kindern und Jugendlichen Räume bietet, in denen sie
spielen, sich treffen und aktiv werden können. Genau so etwas fehlt bei uns in
Graurheindorf. Seit längerer Zeit wird immer wieder über den Bau eines Sport- und
Begegnungszentrums Bonn Nord gesprochen, welches nach Ratsbeschluss entstehen
soll. Bis heute liegen dazu aber keine konkreten Informationen oder Fortschritte vor.
Hier braucht es endlich mehr Druck und klare Entscheidungen. Denn ein solches
Zentrum wäre eine ideale Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen in beiden
Stadtteilen einen Ort zu geben, an dem sie sich entfalten, Gemeinschaft erleben und
ihre Freizeit sinnvoll gestalten können.